Die Inflation der textilen Arbeiten

Swantje

Immer wenn ich Interessierten unser Projekt erkläre und worin es münden soll, benutze ich, und auch einige meiner Mitreisenden, den Begriff der „textilen Arbeiten“. Boom! Joa schön und gut, ist irgendwie alles und nichts. Viel mehr Berufskrankheit als aussagekräftig für Dritte. Daher folgen demnächst genauere Ausführungen was jede von uns in diesem Projekt erreichen will, mit ihrem ganz eigenen Augenmerk.

 

In meinem letzten Beitrag hab ich mich zu der sehr prägnanten Vorherrschaft des Webens in Peru geäußert. Denn wenngleich das Weben als ursprüngliche Technik zu einem Traditionsbewussten Land Südamerikas gehört, sind Drucktechniken dort doch eher etwas versteckter und weniger verbreitet. Ebenso unterschiedlich sind die Charaktere und das Flair das in Peru herrscht. Es gibt auch hier noch Menschen, die im wahrsten Sinne „Kamerascheu“ sind und hinter dem für uns harmlosen Fotografieren, das Stehlen der eigenen Seele vermuten.

 

Daher will ich versuchen mich diesem Geheimnis zu nähern, die Einheimischen altmodisch mit Stift und Papier porträtieren. Vermutlich werden nicht alle diesem Vorhaben zustimmen, aber vielleicht werden andere es gerade auch wegen der Abwesenheit der Technologie tun. Einige von uns werden sich da bestimmt auch in mein Skizzenbuch verirren. Beim Zeichnen von Gesichtern habe ich oft festgestellt, dass viele ein besonderes Detail haben, das dafür sorgt, dass wir sie wieder erkennen. Eine Linie, eine Falte, Narbe oder Punkt macht aus einer Sara eine Dani. Dieser Aspekt macht mich neugierig auf Personen, die die Welt nicht mit europäischen Augen erleben, sondern mit der Sonne aufstehen und sich ihre farbenprächtige Kleidung anlegen. Meine Handskizzen möchte ich nach unserer Reise digitalisieren und für verschiedene Druckverfahren aufbereiten und vermutlich teilweise mittels UV-Druck und Textildruck auf Oberflächen bringen. Hierbei möchte ich mir verschiedene Wege offenhalten: zum Einen das Herunterbrechen auf die bloße Linie, den Schwarz-Weiß Bereich, um alle Unterschiede der porträtierten Personen nicht von der Farbe abhängig zu machen. Zum Anderen stelle ich mir auch das Gerecht-Werden der Intensität von Bevölkerung und Land vor.

 

Das Bearbeiten von gedruckten Portraits mit peruanischen und europäischen Materialien und Techniken. Und obwohl ich diesem allseits präsenten Begriff der „Generation Y“, keinen weiteren Raum geben will, muss ich an dieser Stelle zugeben, dass die Ideen mir sprudelnd und vielfältig erscheinen, doch ich mich schwer für eine entscheiden kann. Daher ist es von Zeit zu Zeit schön sich hinter dem Begriff „textile Arbeiten“ zu verstecken. Aber nicht für lang.