Dmpff... Huäääh!

Luise

 

Heute widme ich mich dem Thema Inspirationslosigkeit. In unserem Studium der Angewandten Kunst bekommen wir antrainiert jeden Tag zu Schaffen. Gleichzeitig ist die Ideenfindung ein Prozess, der immense Kraft benötigt, um ins laufen zu kommen. Und wie es mir dieses Ostern mit meiner Inspiration erging, das erfahrt ihr in diesem kurzen Abriss:

 

Freitag, 14. April 2017

Den gemeinsamen Familienurlaub hatte ich abgesagt. Ich will was schaffen. Für meine Bachelorarbeit hatte ich Anfang des Semesters einen strengen Ablaufplan erarbeitet... dieser hatte sich zwar schon nach Woche drei in Luft aufgelöst, dennoch bin ich bestrebt hart zu arbeiten. Allerdings war die letzte Woche auch sehr anstrengend gewesen. Mit meinen drei Skizzenbüchern, dem Recherchematerial und einem Haufen Materialproben dekorierte ich also meinen Schreibtisch... immer wieder... immer wieder... und wieder... Wahnsinn wie viele Anordnungsmöglichkeiten es auf einer 60x100cm Platte geben kann... Acht Gegenstände... das heißt !8=40320. Also 40320 Möglichkeiten... bis zum Abend hatte ich sie alle durchprobiert...

 

Samstag, 15. April 2017

Heute schaff ich was! Ich hatte mich für die Anordnungsmöglichkeit Nummer 2374 entschieden. Die Sonne hatte mein Ostfenster verlassen, als ich am Schreibtisch sitze... irgendwas blockiert mich. Ich sehe mich um. Kein Wunder... die Wohnung ist völlig unordentlich! Also raus mit dem Müllsack, Gläser müssen auch weggeschafft werden. Ich ordne meine Regale neu, mache Inventur in meinem Stoff- und Materiallager. Ich besitze viele schöne Dinge. Diese Feststellung lässt mich darüber hinwegsehen, dass meine Skizzenbücher noch unberührt daliegen....

 

Sonntag, 16. April 2017

An Sonntagen lasse ich mich gerne von der Sonne wecken, aber der bewölkte Hagelhimmel lässt nichts durch, außer einer apokalyptischen Stimmung. Dementsprechend spät erwache ich. Wie im Gruselfilm dreht sich mein Kopf in Richtung des Schreibtisches... und da liegen sie. Brutal starren mich leere Seiten an. Langsam brauche ich eine Idee... Ich wälze mich aus dem Bett und setzt mich mit Sturmfrisur und ungeputzten Zähnen an meinen Rechner... Erstmal ´ne Runde pinterest... elf neue Pinnwände und bestimmt tausend Pins später, weiß ich zwar welche Weihnachtsdeko ich dieses Jahr basteln werde, kann aber immer noch keinen klaren Gedanken zu meinem Projekt fassen. Frustriert werfe ich die Regenjacke über und mache mich ins nasskalte Getümmel zu einem Spaziergang auf... mein Schlafshirt lasse ich gleich an... spielt ja eh keine Rolle.

 

Montag, 17. April 2017

Dieses mal scheint die Sonne. Draußen laufen kleine Wandergruppen und Familien vorbei. Ich schließe das Fenster und lasse die Gardinen gleich zu. Diese fröhliche Stimmung hält ja niemand aus! Elende Kackscheiße! Die Skizzenbücher habe ich jetzt zugeklappt... Gerade so halte ich mich davon ab „Inspiration finden“ zu googeln... Ich bin ein verdammter Gestalter... irgendwas muss mir doch einfallen!? Also beschließe ich einfach meine Gedankenwelt der letzten Tage aufzuschreiben... ein Fehler... denn dadurch wird mir das ganze Ausmaß meiner Einfallslosigkeit erst wirklich bewusst... Schokolade ist auch aufgebraucht und es ist Feiertag... aus meiner Backkiste krame ich noch ein paar Rosinen, aber etwas Süßes hellt meine Stimmung auch nicht auf.

 

Dienstag, 18. April 2017

Da meine äußerliche Verwahrlosung einen beunruhigenden Grad erreicht hat, entscheide ich mich dafür mir die Zähne zu putzten. Yeah! Die erste vernünftige Entscheidung der letzten Tage! Hab mich schon seit langem nicht mehr so mies gefühlt... Zum Glück ist das Wetter auch wieder schlechter geworden... wenn ich keine gute Laune habe, soll es auch niemand anders haben. In kurzen Visionen sehe ich meine Zukunft: Luise mit schwarz-rosa Föhnwelle, häkelt mit dieser furchtbaren glitzer Polyacrylwolle kleine Babymützen um dann auf DaWanda-Märkten ihren kurzen Auftritt zu haben und sich ansonsten um ihren sieben Hunden zu kümmern. Aber diese Schreckensvorstellung lässt gleich alle Kreativität aus meinem Hirn fahren.

 

Mittwoch, 19. April 2017

Es reicht! Geschlafen habe ich nicht lang... Die Bewegungslosigkeit tut mir im Rücken weh.. Ich gebe auf! Geschlagen stecke ich den Rechner am Fernseher an und schalte youtube ein. Nach knapp einem dutzend SpaceFrogs Videos nehme ich eins meiner vielen Häkelprojekte und lasse meine Zukunftsaussicht wahr werden. Noch nie hab ich mich so unnütz gefühlt. Vielleicht hätte ich doch was anderes studieren müssen! Was Soziales... was mit Politik... irgendwas, wo man etwas bewirkt... Ich google nach Parteien, Parteiprogrammen. Wer hat welche Meinung, welchen Leitfaden.... Faszinierend, wie man mit so vielen Worten so wenig ausdrücken kann! ...und plötzlich war ich wieder da! Ich hatte nicht nur eine, sondern hundert Ideen gleichzeitig! Meine Knie quietschten, beim übereilten aufstehen. Ich griff mir das erste Skizzenbuch, was ich erreichen konnte. (Im nachhinein fiel mir auf, dass ich das falsche Buch erwischt hatte.) Der Stift flog über das eingestaubte Papier, als hätte ich nie etwas anderes gemacht.

 

Wahrscheinlich war es die magische Mischung aus dem feucht-fröhlichen Geschwafel zweier medienaffiner Berliner und dem Parteiprogramm der Humanistischen Partei, die in mir den Funke wieder gezündet hatten.

Was mir diese Tage aber gezeigt haben: Man kann nichts erzwingen! Als Gestalter muss man sich auch manchmal für den gefühlten Weg entscheiden, um auf andere Ideen zu kommen. Dass das mit (welch Überraschung!) Stimmung und Empfindung zu tun hat, welche man nicht wirklich steuern und entkräften kann, macht die Sache zwar sehr spannend, aber genauso unberechenbar und frustrierend. Gleichzeitig habe ich mich dem Begriff des „Künstlers“ noch nie so nahe gefühlt.

 

Welche Erfahrungen habt ihr so mit der Muse?

Was bringt euch auf neue Gedanken?

Ab damit in die Kommentare!