Vergessene Vorfreude

Luise

Das Studium neigt sich langsam dem Ende. Alle sprechen über ihre Urlaubsplanung. Wenn ich gefragt werde, winke ich nur ab: „Nen Workshop hier, ein Praktikum da… nix besonderes.“ Erst im Weggehen fällt mir dann wieder ein: Da war ja noch was! Ich laufe also zurück zu meinem Gesprächspartner, der sich schon anderen Dingen gewidmet hat und mich äußerst irritiert anschaut, als ich freudestrahlend rufe „Und ich mach´ im August nach Peru!“ - Das ist mir in letzter Zeit des Öfteren passiert. - Weil das Projekt buntesgold so in unseren Alltag integriert ist (crowdfunding, Blog, CROWDFUNDING), dass man manchmal wirklich diese lichten Momente hat.

„Mensch, ich fliege wirklich nach Peru!“, sagt man sich im Geiste vor und quietscht aber hörbar vor Aufregung. (Und wieder drehen sich die Leute um, um zu schauen, ob alles mit einem in Ordnung ist.)

 

Hier ein kurzes Ranking, auf was sich die kleine, lockenköpfige Vogtländerin freut:

1. Das Packen: Das ist die Vorfreude auf die Vorfreude. Ich liebe es, Dinge zu sortieren und nach Nützlichkeit zu ordnen. Außerdem gefällt mir der Gedanke einen Monat in einem Rucksack zu verstauen.

 

2. Das Fliegen: Da muss ich nicht viel dazu sagen. Mit einem motorbetriebene Metallvogel über die Wolken getragen zu werden…

 

3. Die Leute: Mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen werde ich mich viel auf Mimik und Gestik (und auf Magda und Fabi) verlassen müssen. Aber dennoch bin ich echt gespannt, in wie weit sich die südamerikanische Selbstdarstellung und Kommunikation von der Europäischen unterscheidet.

 

4. Die Farben: Als (zu diesem Zeitpunkt hoffentlich) studierter Gestalter, bin ich ganz heiß auf die Reizüberflutung! Und auch später, wenn wir wieder in Deutschland sind: Denn in peruanischer Umgebung, wirken diese besonderen Farbkombinationen natürlich. Es wird ein interessantes Experiment, mit den gewonnen Farbeingebungen in Deutschland zu arbeiten und sie hier in die Umwelt zu integrieren.

 

5. Die Mystik… wuaahaaa: Auch wenn Peru seit der Kolonialzeit vom Christentum geprägt ist, dieses urtypische, archaische Gefühl alter Kulturen schlägt mir schon bei jedem Pinterest-Bild entgegen. Egal ob für den Touristen aufbereitet oder nicht… ich werde dort jedem Götterfunken frönen, der mir begegnet. (Außer der Götterfunke versucht mir was zu verkaufen, dann werde ich misstrauisch.)

 

6. Die Fauna: Lamas, Alpakas, Pumas, Omas und Opas…Das Skizzenbuch im Anschlag, hoffe ich eine große Bandbreite an Tieren festhalten zu können. Allein schon der Gedanke, Tiere in freier Wildbahn zu sehen, die es bei uns nur hinter Gitterstäben und Wassergräben zu finden gibt…

 

7. Die Zeit: Ein Monat ist lang… für die Erkundung eines ganzen Landes aber nicht lang genug. Wir haben einen straffen Zeitplan, aber dennoch wird uns die Witterung und der Höhenunterschied oft genug zur Pause zwingen… und das ist wichtig! Denn wenn sich die Welt langsamer dreht, kann man auch viel mehr entdecken.

 

8.Das Dokumentieren: Seit Ewigkeiten träume ich von meinem eigenen Youtube-Kanal. Sich vor die Kamera setzen und seinen Senf ungefiltert und unbedacht, über alles und jeden in die Welt hinaus zu posaunen. Herrlich! Aber in Peru werde ich die Chance tatsächlich ergreifen. Neben den Tage- und Skizzenbüchern, werde ich auch Videotagebuch führen. Freut euch also auf dreißig Mal Dialekt-Edition: „Hallööö Leudee, heit´ wor a doller Doach…“

 

9. Das Reisen: Wie ihr aus meinem vorrangegangenen Blogeintrag schon wisst, liebe ich es, die Welt per pedes zu erkunden. Es hat etwas Elementares, auf etwas zu zugehen und den Blick währenddessen schweifen zulassen. Ich freue mich auch schon auf die abenteuerliche Busfahrten. Wie im Film stelle ich mir die buntesgold-Truppe vor… zwischen Hühnerkäfigen, einer Frau die gerade ihr Baby stillt, den zwei anderen deutschen Touristen und einem alten rauchenden Mann, der sich später als Privatdetektiv entpuppt… genauso wird das sein.

 

10. Kein Internet!: Endlich mal Ruhe! Es gibt soviel zu sehen und festzuhalten! Da brauche ich keine Emails über die neueste Potenzpille. Auch Janine aus Berlin, die mich gerne treffen möchte, muss sich leider einen Monat gedulden… aber im Ernst: Nach diesen anstrengenden Monaten voller SocialMedia-Action (crowdfunding, Blog, CROWDFUNDING): Teilen, liken, kommentieren und jede Möglichkeit zu nutzen, dieses Projekt zu kommunizieren, wird das zwar nicht abrupt enden (schließlich werden wir euch regelmäßig vor Ort berichten), aber es wird eine mordsmäßige Umstellung sein. Ich bin mir sicher, jeder von uns wird in Peru mindestens einmal schweißgebadet aufwachenund rufen: „Scheiße, bin ich heute mit Blogschreiben dran?!“