Hokus Pokus Peru

Swantje

 Während ich meinem Studenten-Image gerecht werden wollte und mir 356 Folgen meiner Lieblingsserie in 5 Stunden ansehen wollte, stolperte ich über Peru.

In der Serie sprachen sie über Holz aus Peru und Ecuador. Nachdem ich 3 mal zurückgespult und meinen PC offenbar völlig überfordert hatte, konnte ich den Namen dann verstehen: Palo Santo-Heiliges Holz. 

Und schon war es hinüber mit meinem gemütlichen, Bachelorthesis-aufschiebenden Sonntag im Pyjama.

Hier also ein kleiner Beitrag für die Vodoo-Affinen, Abrakadabra-Besessenen und Horoskope-Leser.

 

Palo Santo ist Teil eines Balsambaumgewächses und wird als Stäbchen oder Räucherharz angeboten. Die Bestimmungen für den Umgang mit dem geschützten Baum sind sehr streng, wodurch das letztendliche Produkt verhältnismäßig teuer ist. Aber wir wollen ja schließlich nicht so eine herrlich klingende Pflanze wie das heilige Holz verlieren.

Er ist das südamerikanische Äquivalent zu unserem Weihwasser oder Weihrauch. Seine Ursprünge sind weitaus spiritueller als die Shopping-Seiten im Internet uns weismachen.

Wie es sich für ein südamerikanisches Land gehört, praktiziert der Dorf-Schamane mit diesem Holz und lässt es auf glühenden Kohlen räuchern. Da Schamane gleichgesetzt mit Ärzten sind oder waren, kam jeder mit einem Leiden zu ihm und erhielt unter anderem eine Behandlung mit Palo Santo. Ob Übelkeit, Entzündungen, Erkältung- vieles wurde durch Aufgüsse oder Räuchern behandelt. Darüber hinaus vertreibt der Duft Insekten und Käfer- was ich ehrlich gesagt höchst attraktiv finde, denn ich weiß dass ich mich ständig nach Krabbeltieren umsehen und eingebildetes Jucken verspüren werde.

 

Als weiteres Einsatzgebiet soll Palo Santo bei spirituellen Problemen helfen, zum Beispiel bei Heimsuchungen, Besessenen oder negativen Einflüssen. Zur Behebung dieser Unstimmigkeiten wird ein Ritual durchgeführt. Das Holz wird angezündet und man bewegt sich damit durch den Raum und verteilt den Rauch an Fenstern und Türen, an allen Öffnungen um entweder die Geister darüber entweichen zu lassen oder sie draußen zu halten- da bin ich mir nicht sicher.

Hierbei spielt die Farbe des Rauchs eine wichtige Rolle: dunkler Rauch bedeutet dass negative Energien beseitigt werden, heller Rauch das man nochmal eine extra Runde drehen muss. Irgendwie umgedreht zu den Papstwahlen- oh man das bietet ja wieder Spielraum für satirische Anmerkungen.

 

Um das Klischee von alt-indianischen Hilfsmitteln abzurunden soll das heilige Holz eine sinnesbeeinträchtigende Wirkung haben. Schlaffördernd oder aufputschend- alles dabei. Einfach ein bisschen die Bude zu räuchern und je nach Gemütslage verstärkt sich dann der psychische Effekt. 

 

Solche Sitzungen würde ich vermutlich nur in Peru machen, in richtiger Atmosphäre, denn ich bezweifle, dass in meiner 16qm Wohnküche zwischen trocknender Wäsche und Basilikum die richtige Stimmung aufkommt.

Und eigentlich bin ich ja auch kein spiritueller Mensch, lass mir aber trotzdem gerne von Luise die Karten legen.