Der Schock  

Heda

 Nach einem riesigen Marathon: Abschlussprüfung, einen Tag später Familienurlaub mit Material fürs Theatercamp, das heute mit der Premiere beendet wurde steh ich da.

 

Geimpft, fast vollständig ausgerüstet, mit finanzieller Unterstützung im Rücken, Träumen im Kopf und ein bisschen Schiss in der Hose.

Angekommen von einer spannenden Theaterreise und mega müde.

Gerade heute ist die Vorstellung einer langen Reise über den Ozean ein bisschen gruselig.

 

Ich sehe mich schon im Tagtraum jammern: Lasset mich in Ruhe sterben! Ich gehe keinen Schritt weiter!

 

Im Ernst, ich hoffe, ich schaff es, mich die restlichen 24 Tage auszuruhen. Plötzlich ist es furchtbar wenig. Ich muss mich noch um die Familie kümmern, damit die es ohne mich schaffen. Nee, ich halte von mir als Mutter und Partnerin nicht so viel, aber ein bisschen schlechtes Gewissen hab ich doch.

 

Andererseits tauche ich tiefer und tiefer in Tagträume unter die Inkas, ich bin bereits Mitglied von allen möglichen Facebook- Seiten, die mit Peru zu tun haben: Freunde des Peru /Přátelé Peru,

AYAHUASCA

 

Ich kommuniziere mit einigen interessanten Leuten, unter anderem mit Archäologen und Künstlern.

 

Einer der Interessanten ist der gebürtige Tscheche Tomáš Stěhule. Archäologie und Kunst begeistert ist er und postet jede Woche mindestens einen Beitrag. Manche machen Lust, manche schrecken ab:

 

„Neuste Ausgrabungen bei Lima ! 4500 Tausend Jahre alt. Nur 20km von Lima entfernt!“

 

„Neue Sekte in Peru, die junge Frauen aus Europa sexuell missbrauchen. Opfer kommen begeistert nach Peru, werden gleich in Lima entführt und sind für immer verloren.“  - Inklusive Fotos der vermissten Frauen.

 

Meine Güte! Da kann ich endlich mal froh sein, dass ich so alt bin! Aber da flüstert schon die andere Stimme: „Idealfall für Diebe!“

 

„Ruhe jetzt!“ versuche ich mich zu beruhigen... ist doch alles Quatsch!

 

Trotzdem nur noch 25 Tage?!?!? Soll ich vorsichtshalber innerlich Abschied nehmen?

 

Wenn ich wieder zurück komme, ist einige Zeit vergangen. Die Kinder sind ein Monat älter, unser Kater wird wieder nicht mit mir reden.....

 

In meinem Gehirn rudern Gedanken die mich ein bisschen schockieren: Bin ich zu egoistisch? Dürfen Mütter solche Reisen machen? Was mach ich, wenn zu Hause etwas passiert?

 

Ich denke solche Gedanken hat eigentlich jeder von uns. Dieser Ausstieg aus dem Alltag hat unwahrscheinlichen Reiz und gleichzeitig macht er Angst. Auch mir, auch wenn ich schon einiges gewagt habe.

Interessant, man traut sich einen Schritt raus, es fühlt sich fantastisch an, dann noch einen, noch einen und kurz vor dem Abheben vom Boden kommt so eine Bremse. Nun Augen zu und durch....