Der Tag an dem mein Vater ein Krankenwagen kaufte

Swantje

Eigentlich dachte ich, dass ich mir für diese Reise ein Großteil des Equipments bei Freunden leihen werde.

Bis auf die Schuhe natürlich. Die müssen sitzen. Aber nach mehreren Gesprächen mit Menschen, die schon oftmals als Backpacker unterwegs waren, hab ich meine Meinung geändert. Ich bin noch nie in diesem Ausmaß/Sinne vereist und kann deswegen auch auf nichts zurückgreifen, weder Ausrüstung noch Erfahrung. Also bin ich in die nächstgrößere Stadt gefahren, um mich beraten zu lassen.

 

Der Verkäufer war vermutlich erstmal ein bisschen überrumpelt, denn während er den Boden staubsaugt brülle ich ihm entgegen: „In 4 Wochen fliege ich nach Peru und ich brauche noch alles.“ Naja dann mal ran, was? Ich zählte die Dinge auf die ich benötige: Regenjacke, Regenhose, einen Rucksack natürlich am Besten mit Regenschutz, Wanderschuhe, einen leichten Schlafsack, Socken, FlipFlops. Und so arbeiteten wir uns 2-3 Stunden lang durch das Geschäft. Zu meinem Bedauern gab es diesen einen super hübschen und funktionalen Adidas-Schuh nicht mehr in meiner Größe und ich musste auf einen aus der Männerabteilung ausweichen. Nicht so charmant. Aber ich wusste ja das ich mindestens eine Größer höher nehmen muss. Nur haben die Schuhhersteller da irgendwie ihren eigenen Plan, denn letztendlich gab es für mich nur eine 43, obwohl ich sonst eine 41 hab. Als Trost hat der Verkäufer mir immerhin die super fancy pinken Schnürsenkel von dem Adidas-Schuh an meinen Männerschuh angelegt. Auf jeden Fall war das ein echt guter Vormittag. Mein Bruder hat zwar immer wieder gelangweilt gegen den Boxsack getreten, der dort hing, aber danach gabs Burger also alles wieder gut.

 

Es dürfte wohl jedem bekannt sein, dass Schuhe ihre Eingewöhnungszeit brauchen. Besonders Wanderschuhe. Der Verkäufer riet mir sie Zuhause 2-3 Stunden einzutragen. Naja bei gutem Wetter nicht gerade attraktiv, also entschied ich mich bei entsprechender Wetterlage ins Nachbardorf zu watscheln und bei meiner Oma Kaffee zu trinken. Und um reale Bedingungen zu schaffen habe ich auch gleich den Rucksack bepackt und aufgeschwungen. Am ersten Tag hat mich mein Bruder auf seinem Longboard auf dem 4 km langen Fahrradweg zu Oma begleitet. Am zweiten Tag bin ich mal einen Feldweg gelaufen, weil er nicht dabei war. Bei meiner Oma wohnen auch meine Tante und mein Onkel und letzte Woche war meine Cousine mit ihren Kindern da. Volle Bude also, was aber auch hieß : Es gibt Kuchen. Perfekt! Apfelkuchen und Orangensaft.

 

Wieder zurück, sehe ich meinen Vater mit dem Anhänger hantieren. Er schiebt ihm am Carport hin und her. Ich setze die Tasche ab und gehe hinter, als mich ein Rettungswagen angrinst. Joa. Mein Vater hat vor vielen Jahren einen Partnerschaftsverein ins Leben gerufen und unterhält sehr gute Beziehungen nach Frankreich, Tschechien und Ungarn. Jedes Jahr fährt er nach Ungarn und bringt Kleidung und Spielzeug für Kinder und Erwachsene. Dieses Jahr gibts wohl einen RTW. Naja der Ort hat keinen guten Krankenwagen und durch eine Förderung ist es möglich dass er wieder einen bekommt. Beim Abendessen, draußen neben dem RTW hatte dann jeder ne Menge vom Tag zu erzählen.